flyer estland

Ein fröhliches Land voller Energien.

"Este bleiben und Europäer werden!"

Unter Beibehaltung ihrer Traditionen überzeugt ihre Kraft der Innovation.

 

Abb. Marko Laimre, E.U.Positive, 2001 aus dem Film "Wedding".

 

Vortrag von Roswitha Siewert am 25. Januar 2005 in der Volkshochschule Lübeck:

Zwei Künstlerpositionen aus Estland:

Kai Kaljo 1959 in Tallinn (Estland) geboren.

Ihr erstes Video von 1997 „ A loser“ 1.24 min. ist ein Erfolgsvideo: Es wurde  in mehr als fünfzig Ausstellungen und Kunstevents gezeigt. Zwei Fotos daraus, die in der Videobranche als Videostills bezeichnet werden. Sie hat ihre Bilder umgedreht, die auf Leisten aufgezogenen Leinwände zeigen die unbemalten Rückwände. Sie sind Kunstambiente, Bühnenbild,auch Negation ihrer Malerei für einen 12 zeiligen Monolog. Sie spricht ihn in estnisch. Wir können ihn in Englisch lesen: „Hallo, meine Name ist Kai Kaljo. Ich bin eine estnische Künstlerin. Ich wiege 92 Kilogramm. Ich bin 37 Jahre, aber leb noch bei meiner Mutter. Ich bin nicht verheiratet. Ich arbeite an der estnischen Kunstakademie als Lehrer für 90 Dollar im Monat. Ich meine, das Wichtigste im Künstlerleben, ist die Freiheit. Ich bin sehr glücklich.“ Als sie sich 1997 für die Ausstellung  „Funny versus Bizarr“ bewarb, konnte sie sich nichts Lustigeres und Bizarreres  als ihr eigenes Leben vorstellen und so kam es zu diesem fröhlichen Video. Sie sagt: “Wenn ich diese Arbeit zeige, bin ich oft mit einem der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse konfrontiert, dem nämlich, sich überlegen fühlen zu wollen, jemanden sehen zu wollen, dem  es schlechter geht als einem selbst. Das Gefühl ist so stark, dass man sich nicht einmal fragt, ob man am Ende selbst dumm aus der Wäsche guckt...“ * Die Frage ist: Freiheit wofür und wozu?

Freiheit in der Kunst wird im Augenblick durch einen andere Künstler thematisiert: Christo nämlich, der seine „Golden Gates“ in New York aufbaut. Er ist gebürtig aus Bulgarien und weiß, was es heißt unfrei in der Kunst zu sein, in allen aktuellen Interviews, ist die Freiheit in der Kunst sein Thema.

Heute Estland: Kai Kaljo. - Zwei weitere Arbeiten sind „Pathetique“1999 und im gleichen Jahr „Loveletter to Myself“. Vor der Hinwendung zu Videoarbeiten, hatte sie klassische Musik und Malerei studiert in Labors und am Theater gearbeitet. Es entstanden Glasmalereien, Wandgemälde, Installationen und illustrierte Bücher. Sie lässt, nach der Wende, all die Erfahrungen in die Videoarbeit einfließen. Links: Sie spielt die Beethoven Sonate „Pathetik“ auf dem Klavier- bei Kerzenlicht und mit Notenblatt, die Musik lockt den Ausstellungsbesucher, die Szene ist auf großer Leinwand projeziert. Sie erzählt: kalter Wintertag, ein Mann liegt auf dem Boden . „Ich wusste nicht was ich tun sollte, denn wegen eines Betrunkenen würde die Polizei nicht kommen“. Bis ihr klar wurde, dass sie schon angefangen hatte , ihn zu filmen. Das stehende Foto aus dem Film zeigt diesen Augenblick.“ Es geschieht nicht oft, dass wir unserer dunklen Seite auf solche Weise begegnen...Wir finden Entschuldigungen für alles, was wir tun.“ * Kunst agiert in ihrem Bereich.

Dann: “Loveletter to Myself“ entstand in luxuriöser Einsamkeit - auch wen es wie ein Gefängnis wirkt mit viel Zeit und Raum. Es geht auf einen Begegnung zurück Wieder allein versucht sie mit der Kamera über Lichtspiegelungen und -inszenierungen z. B. mit Seifenblasen, die Anwesenheit eines abwesenden Menschen zu realisieren. * Kunst abstrahiert vom Menschen und materialisiert die Erinnerung an ihn.