flyer lettland

Lettland ist das mittlere der drei baltischen Länder.

Ohne intellektuellen Ballast vertreten sie eine kosmopolitische Haltung in der Kunst, die das Interesse am Heimischen nicht ausschließt.

 

 

 

 


Abb. Famous Five (Ieva Rubeze, Martins Ratniks, Liga Macinkevica) Time will show. Video Installation, 2003/2004.

 

Vortrag von Roswitha Siewert am 12. April 2005 in der Volkshochschule Lübeck und in der Herder-Gesellschaft in Rostock am 1. Dezember 2005:

Willkommen in Lettland!

Wahlkampf links mit europäischen Symbolen. Der Wahlspruch, der über europäischer und lettischer Fahne zu lesen ist, war: „Vertraue auf deine Arbeit"( Tici savan darban). Die Ampel ist abwartend auf gelb-orange."Time will show", die Zeit wird es zeigen, ob sich die Fahne Lettland mit ihren weißen und dunkelroten Streifen von der Europäischen Winddynamik an den Rand drängen lässt, oder ihre eigene Entfaltung, im Vertrauen auf Arbeit,zu einem gleichberechtigten bzw. gleichwertigen Teil Europas wird. In diesem Vortrag geht es um Farben, Formen Signale, die auf Kunst weisen oder es auch sind.
Herder wusste über eine menschliche Philosophie zu schreiben:" sich von den Sternen

zu den Menschen herablassen."Links die lettische Staatspräsidentin Vaira Vike-Freiberga im Kreuzfeuer der Presse nach der Stimmabgabe zum EU- Referendum. Rechts der Abend davor auf dem Domplatz von Riga. „Wir singen eher gern ein Lied zusammen als großen Reden zuzuhören", sagen die Letten. Warum gerade dieses Foto? In den Roten Farben, in den Nuancen von Rot sind nicht nur die Farben der lettischen Fahne, nimmt man den weißen Pulloverarm der jungen Reporterin hinzu, sondern auch die Farbtöne, die den Reiz lettischer Malerei attraktiv machen und Symbolkraft mit Lebensenergien füllen.

Das ist kein Porträt der Staatspräsidentin. Es ist die Sängerin Sonora Vaice, die hier Modell in einem Gemälde von Romans Suta zusammen mit Raimonds Martinovs steht, rechts daneben das Originalbild von Sutas 1919 gemalt.
Fast könnte man die folgenden Wort von Romans Sutas aktuell der Staatspräsidentin zumuten.
1923, also vor über 8oig Jahren; schreibt Romans Suta in seiner Einleitung zu : 60 Jahre lettische Kunst:
" Die großen und staatlich wohlorganisierten Kulturvölker haben dem kaum zwei Millionen zählenden lettischen Volk, welches sich erst unlängst zur Selbstbestimmung durchgerungen, vollgültige und rechtliche Anerkennung zuteil werden lassen und den lettländischen Staat als gleichberechtigtes Mitglied in ihrer Gemeinschaft aufgenommen. Sie mögen nun billigerweise die Frage stellen, wie weit das lettische Volk es verdient, nicht nur als gleichberechtigtes, sondern auch als gleichwertiges Mitglied der großen Kulturgemeinschaft betrachtet zu werden. Entspricht der politischen Selbstständigkeit auch ein kulturelles Eigenleben, das allein die sicherste Bürgschaft der politischen Errungenschaften ist und ihnen innerste Berechtigung zu verleihen vermag? Ist das in die freie Völkergemeinschaft aufgenommene lettische Volk nur ein passiv- empfangendes oder auch ein Kultur schaffendes Volk, berufen, an den Fragen, soweit sie sich auf ein begrenztes Gebiet des geistigen Schaffens, das der bildenden Kunst, beziehen, eine Antwort suchen zu helfen?..." Suta will (damals 1923 in einer Aufblühphase Lettlands, nach dem ersten Weltkrieg)nicht nur die Kunst seines Landes propagieren und eine Reihe von lettischen Künstlern in Westeuropa bekannt machen, sondern auch das lettische Kunst als eine eigene, ernstzunehmende Art im Bewusstsein der europäischen Kunstgeschichte verankert ist. Dieser Ansatz konnte nicht erweitert werden, da durch den Hitler Stalin Pakt 1939 jede politische und kulturelle Selbstständigkeit abgebrochen wurde. Der eiserne Vorhang zog auf....
Heute ist die Fragestellung-wie sie Suta formulierte ähnlich. Nur.... die heutige Kunst und ihre Vermittlung ist eine andere geworden. 2oo4/5 variieren und aktualisieren sich die Wünsche, die erreicht werden könnten über Begriffe des net- working, von Vernetzungsstrukturen, neue Bilder und Kontakte, die sich im Augenblick schnell nicht nur über Europa, sondern weltweit, verbreiten und herstellen. Was eine Entprovinzialisierung im eigenen Land bedeutet und Europa Vorschub gibt. Europa als neue Grenze nach außen, als Abschottung...auch.
Die Besinnung auf den eigenen Weg, kann neue Rollen in einem neuen Stück schreiben. Es gibt eine neues Stück: die EU Erweiterung von 2oo4.Es gibt ein erweitertes Bild, das mit Menschen von heute nachgestellt ist, aktualisiert ist , aber doch ganz auf und aus Tradition beharrt.