flyer polenEin Land, das von Großmachtsinteressen immer wieder zerrissen wurde, aber eigenwillige und richtungsweisende Orientierungen für Europa errungen hat.

 

 

  

Abb. Artur Zmijewski, Singing Lesson 2, 2003


Vortrag von Roswitha Siewert am 1. Februar 2005 in der Volkshochschule Lübeck:

Die Geschichte zwischen Polen und Deutschland ist sehr schwierig und widersprüchlich. Die Beziehung ist mit sehr viel Problemen und Schuld verwoben. In der Europäischen Union sind nun beide Völker zu einer gemeinsamen Zukunft zusammengeführt.

Ein kurzer Rückblick einer tausendjährigen Geschichte: Für einige vielleicht entbehrlich, aber für viele eine Erinnerungsstütze: Es begann 965/66. Landkarten als Illustration einer schicksalsschweren Geschichte. Das freundliche Sahara- Orange gibt die Ausdehnungen Polens in den einzelnen Jahrhunderten an.

I. 965 - 1370 ist die Piastenzeit. Das Gründungsjahr 965 beginnt mit der Taufe des Piastenfürsten Mieszko. Die Slawen vom Stamm der Polanen nehmen das Christentum an. Die Ottonen, die Kaiser des Heiligen römischen Reiches sehen in den aufstrebenden Fürstentum des Ostens die Herrscher eines jungen Europa. Otto III besucht 1000 Gnesen, die damalige polnische Hauptstadt: was als Meisterstück diplomatische Anerkennungspolitik angesehen wird. Man expandiert, bekehrt z.b. die heidnischen Pommern. Holt deutsche und jüdische Siedler ins Land. In Krakau wird die Universität gegründet. Am Ende um 1370 ist das Land vereint und erscheint als multireligiöser Vielvölkerstaat.Polen ist fester Bestandteil des christlichen Abendlandes. Nur der letzte Piast Kazimierz ist ohne männlichen Nachfolger.

II. Die Zeit der Jagiellonnen. Jagiello ist ein litauischer Großfürst. Eine Geschickte Heiratspolitik vergrößert das Land. Er lässt sich taufen und darf dann die polnische Königstochter Jadwiga heiraten. Polen –Litauen vereint, reicht vom Mare balticum bis zur Krim. Der deutsche Orden, Kokurrent für Polen in der Christianisierung, wird in der Schlacht vom Tannenberg besiegt, 1410, damit ist der Weg zur Ostsee frei. Das goldenen Zeitalter der Jagellonen bricht an. Eine künstlerische Kostprobe aus dieser Zeit: Die Schönen Madonnen, hier die Krakauer von 1410 ziehen auf die Altäre. Vom 14. bis 17. Jh. spricht Polen entschieden in der europäischen Politik mit. Kopernikus formuliert in Polen das neue Weltbild.

III. Der lange Niedergang beginnt. Starke Nachbarn umgeben das Land: im Süden das osmanische Reich, im Norden die schwedische Großmacht im Osten das mächtig werden Russland unter Iwan dem Schrecklichen. Adelsrepubliken unter den Schweden und Sachsen. Preußen und Livland gehen verloren.Im Innern ist der Adel zerstritten, , das Land geplündert, die Armee veraltet. Die „ Blutige Sintflut" vernichtet Städte und Dörfer, tötet die Hälfte der Einwohner. Es heißt im 18. Jahrhundert dass die schwarzen Adler Russland, Preußen und Habsburg über Polen zu kreisen beginnen.

IV. die polnischen Teilungen. 1795 verschwindet der polnische Reich von der Landkarte Europas. Grün holt sich das Kaiserreich Russland einen Anteil, rotorange die Habsburger und lila die Preußen. Die Hoffnung bleibt, dass die Teilungsmächte sich entfremden und einen großen Krieg beginnen, in dem die Karten neu gemischt werden.

V. und VI. Die Knechtschaft endet mit dem I. Weltkrieg. 1918 erklärt Polen sich zur Republik. Der Versailler Vertrag schreibt 1919 die Unabhängigkeit und die Westgrenze vor. 20 Jahre später kommt es erneut zum Zusammenbruch. Am 1. September 1939 überfallen Hitlers Truppen Polen. Die Deutschen vernichten in den Konzentrationslagern Europas Juden.
1945 werden die Grenzen neu bestimmt: Stalins Sowjetunion behält die Ostgebiete und Polen erhält Schlesien, Ostpommern Danzig und Teile Ostpreußens.
Im polnischen Untergrund sammelt sich der Widerstand, es kommt 1956 zum Aufstand. Gründe gibt es viele. Die schlechten Lebensbedingungen und auf sich allein gestellt, scheitert der Aufstand.
Der Funke der Freiheit ist gezündet. Immer wieder flackern Aufstände auf. Die Rückkehr nach Europa wird durch Westverschiebung und Westbindung weitergeführt. Eine Völkerwanderung setzt ein.
8 Millionen Deutsch werden vertrieben, die leeren Gebiete werden mit zwei Millionen Polen, die wiederum von den Sowjets aus Litauen, Weissrussland und der Ukraine vertreiben werden.( die Pfeile geben die Bewegung an).
Am 7. Dezember 1970 wird in Warschau der Vertrag über die Normalisierung zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik Polen unterzeichnet. Fast noch mehr Aufsehen erregt eine Geste des Bundeskanzlers bei einem Besuch im ehemaligen Warschauer Ghetto: Brandt kniet am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus nieder. 1971 erhält er den Friedensnobelpreis.
Aber auch die innere Bewegung der Gewerkschaft Solidarnosz ebnet den Weg, dies in den 80 er Jahren. Solidarnosz wird legalisiert und gewinnt bei Wahlen 99 von 100 Senatssitzen. Lech Walesa war der Held des Tages.
199o wird die kommunistische Partei aufgelöst. 1997 wird eine demokratische Verfassung etabliert. Am 1. Mai 2004 wird Polen mit den 9 weiteren Staaten Mitglied der EU Europa.