Ostholstein-Museum Eutin, 5. März 2006, 11:30 Uhr
Vortrag zur Ausstellungseröffnung
Sehr geehrter Herr Dr. Hahn, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Rosemarie!
Haut-nah: heißt die Ausstellung mit Arbeiten von Rosemarie Gaede. Was hat sie hergelockt? Die Tatsache einen gepflegt ästhetischen Sonntagvormittag in Eutin zu verbringen? Oder hat Sie die Einladung neugierig gemacht? Eine gewisse Pikanterie: ein Korsett als Bildgegenstand, zwei selbstständige Hälften die auseinanderdriften und durch ein lockeres Schnürsystem zusammengehalten werden. Schön, warm, auch unangenehm. Risse, Schrundiges, Farbiges, wund bis blutig: Strapse, Strumpfhalter, Schwänze, auslaufende Farbe. Reliefartiges strukturiert die Oberfläche. Dahinter nichts? kein Körper? Leere Hülle? Selbstbild ohne ein „Selbst“ …. Und doch wirkt es wie vom Menschen getragen, wem gehört es Mann oder Frau oder beides vielleicht?

,,Verlorene Liebe“ so der Titel, 2002 entstanden. Die Ausstellung entwickelt sich über das Plakat – auch mit der Verlorenen Liebe als Corsage – in der Eingangssituation, mit drei rätselhaften Arbeiten, mit Notationen, Punkten oder Poren auf einem Zwischenpodest im Treppenhaus (drei Monotypien (ein spezielles Druckverfahren)), dann an einem elegant schwingenden Kleid in blau-grün-grau vorbei, beim Rückblick flügelt sich hinter der Farbe in einer zweiten Ebene ein transparenter Schattenkörper in Weiß auf. (Titel: das „Geschenk“) … Im oberen Treppenhaus dann der Sog über den Aufstieg der Treppenstufen zu zwei kleinen Bildern mit weißen Flächen, zweimal Ikarus, als Sturz und Aufflug (?): pastoser Auftrag der Farbe im milchigen Weiß. Seine Bilder werden umrahmt von steinern-wirkenden, massiven „Metamorphosen“ voller Binnenleben in den Strukturen ….. hinauf ….. zum lichtvollem Entree mit leichter Federkleid-Plastik (Hinweis auf Vogelgrippe ?). Dann „vergessene“ gemalte Engel, zwei „leichten und hell“ gemalte „Metamorphosen“, ein „Flügel“ … Nach dieser Lichtfülle, folgt eine makabre Horrorkammer in der eigentlichen Garderobe: an Fleischerhaken hängen da scheinbar (oder ?) Schweinehälften auf Transparentpapier wie auf dem Schlachthof, roter Schlauch, rote Farbe im Eimer in der Ecke. Dazu gegenüber zarteste Malerei, auch rosiges Fleisch assoziierend, an den Wänden: ein kleiner Schmetterling dazwischen versucht, wie im Rorschach-Test, das Auffliegen.
Was dann? Dann die Bilderfülle im Ausstellungsraum. An Stellwänden in Serien und Akzenten, mit kulissenhaften inszenierten Zwischenwänden steigert sich die Bildwelt von Rosemarie Gaede zu einem barocken Drama aus üppiger Lebensangst und eisiger Todeslust. Das Ostholsteinmuseum hat hier ein Penthouse unterm Dach, das Asche im Feuer und Vereisung im Wasser zelebriert.
Haut-nah sind uns die Arbeiten. Sehen wir uns einige an: „Verlorene Liebe“ von 2002 (das Bild auf der Einladung): ein Korsett (Corsage) als Gegenstand. Orientiert man sich zunächst in der Geschichte der Unterwäsche, dann wurde es eingesetzt in der Mode des 18. und erneut im 19. Jahrhundert als Schönheitsideal für Damen. Heute wird es wieder als modisches Dessous angeboten, auch als Kleid. Über die Mode von Vivienne Westwood ist die Corsage „unerhört und auch unvorteilhaft als Parodie zwischen Punk und Barock“ wieder da. Funktion des Korsetts war: Den Oberkörper bis zur Bewegungslosigkeit fest einzuschnüren. Es galt als Inbegriff von Unfreiheit und Starrheit. War auch Folterwerkzeug, wenn sich die eingenähten Stäbe aus Fischbein wie Pfeile durch die Haut ins Fleisch bohrten. „Schönheit will gezwickt sein.“ Oder „Gut geschnürt in allen Lebenslagen“ hieß es in der makaberen Werbung. D i e s e s Korsett ist Sinnbild für eine existentielle Situation, sein Titel „Verlorene Liebe“ könnte auf etwas hinwiesen. Es wirkt nicht wie Stoff, sondern wie nackte geschundenen Haut, aber auch wie ein Kleidungstück auf der Haut, auf dem Oberkörper. Dann … wie raffiniert gemalt. Nacktheit definiert sich durch ihr Gegenteil, nämlich, durch das Gegenüber, bekleidet zu sein mit all den damit verbundenen Unterscheidungen. Jedoch fallen hier Haut und Bekleidung zusammen, beides in einer Fläche, keine Trennung. Das Nackte ist angezogen, nur das Angezogene wirkt auch nackt. Der Ort wo sich Nacktheit und Bekleidung treffen ist die Haut. Die Haut wird in den Arbeiten von Rosemarie Gaede zum seismographischen Anzeiger, an dem sich Grundfragen der menschlichen Existenz von Leben und Vergehen ablesen lassen. Diese erzählerische Ebene hat in der Kunst einen ästhetischen künstlerischen Festwert von der Antike bis heute: die Aktdarstellung. „Der Akt ist dazu verdammt, niemals nackt zu sein; der Akt ist eine Form der Bekleidung.“(Berger) Zwischen Verbergen und Entblößen, zwischen Verbergen und Darbieten, – aber auch Befreiung und Schamlosigkeit – wird das Korsett, die Corsage, hier zum Relikt eines gefesselten Leibes, der die Flucht ergriffen hat. Thomas Mann formuliert das im Zauberberg so: „Man rührt im Täßchen, obgleich nichts mehr darin war.“ Im Hintergrund eine aus Materialien geformte weiße Fläche, die zweite Haut, der Schatten, das Nichts? Die Statuarik der zwei schwingenden / schwebenden, aber festen Hälften hat in den lockeren Verschnürungen an Hackehen / Ösen und den auslaufenden dünnen spitzen Enden – nach unten – im Verspielten einen formalen Gegenpol. Gleichzeitig erinnern die beiden Hälften auch hier schon an abgezogene, aufgehängte trocknende Tierhäute. Der Hauch des Vergehens.
Das Bild daneben „Verlorenen Gefühle“: Im Allgemeinem dienten Korsetts der Formung der Figur und nicht der Befestigung von Strümpfen: hier nun ein Leibchen mit baumelnden bzw. tanzenden Strümpfen. Wenn in der „Verlorenen Liebe“ große Tragödie gespielt wird, hat hier die Komödie der frivolen Leichtigkeit das Sagen. Als lichter Schatten nimmt die weiße Fläche in Wiederholung die vorgegebene Bewegung auf. (Aus der „Geschichte der Unterwäsche“ gibt es zu berichten, dass unter dem Korsett ein Hemd getragen wurde!) – Wie Marionetten schaukeln sich die Strümpfe ein und tanzen ein Can Can als Totentanz. Dessous-hüllen nach Außen: Eine inszenierte ZurSchaustellung des Körpers, ich sage nicht des Weiblichen. Es könnten auch Relikte aus Klaus Manns „Mephisto“ sein, wie ihn Brandauer zeigte. Der Körper in banalem Zustand, animiert als Form dieser Bekleidung.
Zu meiner Linken auf dem ersten Blick Prachtbilder von prächtigen Frauen:
Titel: Madame Chauchat III, das Mieder, Madame Chauchat II und die „Verlorne Erinnerung an Mme. Chauchat“: Hautgewebe mit erotischen Signalen …. in der „Erinnerung“ im Vergehen dann verblassend. Clawdia Chauchat ist der weibliche Widerpart zu Hans Castorp in Thomas Manns Zauberberg. Der Roman feiert krank sein als genial sein. Krankheit als erhöhten Lebenszustand, als Überbetonung des Körperlichen. Clawdia wird auf der einen Seite als „krank, schlaff, fiebrig und innerlich wurmstichig“ beschrieben, dann aber: man hing an Frau Chauchats „anmutiger Person“, ,,die anmutig weich schreitende Kranke und Reisende“. Eine Sinnenweide mit Zartsinn. Die Berührung von „Knie an Knie“ wird zur höchsten erotischen Empfmdung für Castorp. Er träumt sie als Führerin durch alle „neuen kreisenden Sphären des Paradieses“. Aber die Hölle ist nicht weit: Nicht zuletzt ist es die Verknüpfung von Eros und Tod, – Eros und Thanatos, die diese Bilder in einen zeitlosen Zwischenreich ansiedelten. Körper steht dafür. ,,Verschlagene Lebensfreundlichkeit als höchste Passion. Sie ist die Sympathie mit dem Organischen, das rührend wollüstige Umfangen des zur Verwesung bestimmt seins“, schreibt Thomas Mann. Rosemarie Gaede bringt es auf die Formel: außen erotisch, innen tot. Das „Wurmstichige“ bringt sie auf den Punkt: wenn sie Chauchat in ihrer Hülle als ein Signal aus prallen Äpfeln, in denen der Wurm nagt: sieht und malt. Innerlich arbeitet der Tod. In der Farbgebung geht es von in Zartsinn getränkten rot rosa Tönen bis zum Eindruck von geronnenem Blut, dies in getupften blutroten Flecken. Schmerz wird über Farben sichtbar und nachfühlbar. Die Krankheit behandelnden Methoden heilen nicht nur, sie können auch verletzen. Die inneren Wunden und Entzündungen werden in die Kleidung nach außen projeziert. Totkrank mit erotischen Signalen. ,,Er (der Totenengel-Thanatos) schlägt mir schon Wunden. Sie brechen auf wie Rosen“, schreibt Friedricke Mayröcker zum Thema.
Das zweite Bild „Mieder“ ist einem Kleidungsstück am nächsten, im Hintergrund schemenhaft, ein Busen als Hinweis auf menschliche Gestalt. „Die Erinnerung an Mme. Chauchat“ wird zum Porträt ohne Kopf, Skelett eines Oberkörpers in nebelhafter, farbblasser Fleischhülle, Hautfetzen, ein weiblicher Torso in fliegender, sich verflüchtigender Schönheit. … Tod und Leben, Eros und Thanatos durch diese Ausstellung als Thema in Gang gebracht.
Wie setzt man diese Gedanken technisch um?
Welche Technik, welche künstlerische Methode verwendet Rosemarie Gaede, um diese Vielfalt und Schichtungen von Leben und Sterben, Vitalität und Morbidität ins Bild umzusetzen? Sie hat eine eigene Technik der Collage entwickelt. Die Grundlage ihrer Bildkompositionen ist als Material eines milchiges Transparentpapier. Sie empfindet es als sehr hautähnlich. ,,Haut wie Pergament“ ist dazu ein Signal. Der Malprozeß hat eine bestimmte Reihenfolge und Entwicklung: Von einer großen Rolle wird ein Stück Transparentpapier in der Größe des zu erarbeitenden Bildes abgetrennt / abgeschnitten und auf den Boden gelegt. Mit Kohlestift skizziert sie in Umrissen zunächst die Idee. Kohle wird auch oft zum Schluß für Akzente und Feinheiten eingesetzt. Die erste Zeichnung engt nicht ein, sie lässt noch Freiräume für Änderungen, Entscheidungen oder sich ergebene spontane Einflüsse offen.
Dann kommt stark verflüssigte Acrylfarbe, manchmal nur Wasser auf das Papier. Es reagiert auf die Flüssigkeit und wellt sich. Diese Reaktion des Papiers ist für die weitere Entwicklung wichtig. Auf die sich bildenden Wellen wird Farbe gegeben, oder sie wird zum Verlaufen in die Täler im Papier gebracht. Aus vielfältigen Kombinationen, die unter der Kontrolle des künstlerischen Auges bleiben, entsteht ein bis zu einem gewissen Grad fertiges Bild, wobei in dieser Arbeitsphase der malerischen Komponente, einen zwar kontrollierten aber freien Lauf zugesprochen wird. Dann beginnt der Trocknungsprozeß, der auch beobachtet sein will.
Anschließend beginnt für Rosemarie Gaede der aufregende Vorgang des Klebens: Meist benutzt sie Nessel, den sie selbst auf Keilrahmen bringt, ein spezieller Kleister wird zunächst als Bilduntergrund auf Nessel gebracht. Der Bilduntergrund, genauer die Rückseite des bereits bemalten Papiers, wird auch mit Kleister bestrichen (das ist wie tapezieren). Sehr schnell muß das Aufbringen des Papiers auf den eingekleisterten Nessel gehen. Gleichzeitig werden die Falten und Fältungen festgelegt, ein Schieben auf dem Untergrund und die schnellen Entscheidung per Hand, wo soll die Fläche glatt und wo faltig sein. Wichtig in dieser Phase sind die Risse. Das Einreißen muß im feuchten Zustand geschehen. Dann folgt ein Trocknungsprozeß wiederum, der auch beobachtet sein will, weil sich das Papier zusammenzieht. Dazu sind mehrer Arbeitsgänge notwendig. Nacharbeiten steht an, reinarbeiten, um die Vorstellung zu vervollständigen.
Das heißt, dass die Struktur beobachtet wird, ob noch einmal oben auf den Wellen Farbe nachgegeben werden muß. Farbe zum Unterstützen und Verstärken. Wenn es trocken ist, wird farblich im Ganzen noch einmal durchgesichtet und überarbeitet, falls nötig. Zum Schluß werden bestimmte Faltungen mit Kohle betont oder falls nicht schwarz, wird auch die weiße Farbe eingesetzt. Der letzte Eingriff unterstützt das zeichnerische und haptisch Reliefartige ihrer Arbeiten. (Dies auch für alle, die selbst malen und gern ein „bißchen stibitzen“, wie es in einem Film über Rosemarie Gaedes Ausstellung in Reinbeck zu hören war.)
Das ist also das Grundkonzept der praktischen Umsetzung, das jedoch auf jedem Bild in variationsreicher Unterschiedlichkeit, die Aussage betreffend, eingesetzt wird:
Es gibt auch pure Malerei , wie in der ersten Corsage, der hier aufgehängten ,,Fundstücke“.
Es gibt auch ein Plastikteil zu erkennen: auf dem großem Ikarusgemälde hier im Ausstellungsraum: Plastik erinnerlich an die von der Sonne geschmolzenen mit Wachs befestigten Flügel, die zum Absturz von Ikarus führten.
Wie ist das mit Thema: Engel?
Von filigran, zittrig-nervöser Auflösung bis hin zur Glätte und Kühle von Marmorstrukturen. Ein Weißgrau und grünblau dominiert in den vergessenen Engeln in der lichtdurchfluteten Eingangssituation: Vereisung der Farbflächen, breites Auffiedem, zersplitterte Glasscherben. Engel sind keine lieblichen Barockamoretten: Rilke hat hier recht: ,,Ein jeder Engel ist schrecklich“ (Duiniser Elegie).
Wie ist das mit dem Thema Flügel?
Ein kleiner Flügel, rechts neben der Flügeltür in grün blauen Tönungen ohne Asche und Sand. Und ein schwerfliegender Flügel: ,,Engels Flug“ der Titel.
( Acryl, Sand auf Nessel) … ,,Ich trage seinen großen Flügel gebrochen schwer am Schulterblatt“ …. Else Lasker Schüler (,,Gebet“ ( Ich suche allerlanden eine Stadt, die einen Engel vor der Pforte hat.“)). Es gibt noch vier „verlorene Engel“ im Kleinformat in transparenten Hemden und daneben einen großen; alle sind in Kohleumrissen festgehalten, dies in schreitenden, wehenden Totenhemden. Kohle ein fragiles Malmaterial. Aber es trägt im Allgemeinen in sich die Ambivalenz: Gleichzeitig Endprodukt der Verbrennung und als Asche fruchtbarer Dünger zu sein. Sie steht im Spannungsfeld der Zersetzung und Regenerierung von Materialien. Aber auch im mythischen Sinne: Phönix steigt aus der Asche wieder auf.
Häutungen bedeuten auch Erneuerung, weiterleben. Sie können wie in der Installation Haut, als Schweinehälften im Schlachthof inszeniert sein, beim genauem Hinsehen sind auch Menschenleiber zu erkennen, die sich zart und transparent – mit viel Phantasie – in Acryl auf doppelgeklebtem Papier mit erhobenen Armen wie in einer anderen Welt traumversunkenen Tänzen hingeben. In diesem Garderobenraum sind zwei weitere Häutungen, im Mittelbild ,,Fast wie ein Schmetterling“ wird Wandel, Veränderung, Metamorphose, entschlüpfen aus einem Kokon, Sommer, signalisiert. Häutungen sind auch über Marsyas ein mythologische Thema: ihm wurde von Apoll bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen. Sein Blut und die um ihn geweinten Tränen wurde zum Fluß mit seinem Namen. Zweimal zeigt er sich in seiner Not in dieser Ausstellung: beide in kräftigen rot-rost Tönen, hier kompakter wie ein aufgeschlagenes Tuch den geschunden Körper im Abdruck, am Eingang gleich links auch in Kräftigen Farben aber mit größeren Einschnitten wie ein gespaltenes Ich. Rostrot als Farbe, die Vergänglichkeit, Umwandlung ausdrückt. Teilungen, Risse, Trennungen, scharfe Kanten, Linien als ein sezierendes, als ein sich Selbstzerstückelndes. Marsyas ein Dämon, der die Flöte Athenas aufhob und zum Solisten auf diesem Instrument wurde. In Selbstüberhebung forderte er Apoll zum Wettstreit heraus. Ausgemacht war, dass der Besiegte dem Sieger ausgeliefert wird und dieser mit ihm machen könne, was er wolle. Als Mahnmale oder letzte Rettung auf der Leinwand Kunst, trägt er in dieser Ausstellung seine geschundene Haut zum Markte der Kunst.
Ihren Entdeckungen von den unterschiedlichen Häutungen und Torsi freien Lauf …. Von kompakten großflächigen – meist mit Sand – verfestigten Häuten, die fast die ganze Bildfläche einnehmenden und in die Nähe von aufgehängten Tierhäuten gehen bis zu elfenhaften filigranen, sich auflösenden, aus den Bildern stehlenden Formen ist eine Vielfalt zu sehen. In jeder Kombination auf dem Bild noch einmal neuorganisiert zusammengestellt.
Die Objekte, ob nun „Kokon oder Schneewitchen“ 2003 oder die ,,Hausfrau“ aus Maschendraht, Papier und rosa Gummihandschuh in ihrer eindeutigen Aussage entwickeln die Ideen weiter zu Objekten hin.
Rosemarie Gaede, 1941 in Braunschweig geboren, besuchte die PH in Kiel mit dem Schwerpunkt Kunst. Bis 2000 unterrichtet sie an einer Lübecker Schule. Zur Jahrtausendwende geschah die Metamorphose vom bürgerlichen Beruf zur freischaffenden Künstlerin.
Fotos zunächst, dann Gemälde, die sich von abstrakten zu gegenständlichen Darstellungen entwickelten. Ihr Leitthema, die Haut, die zweite Haut, früher Hauswände als Fassaden, Häutungen, Haut, die abgezogen wird, Hülle, Kokon, Corsagen:
Fundstücke einer vergehenden Erotik in Reihungen, Eros und Thanatos nicht als entweder / oder, sondern als sowohl / als auch. Carmen und Madame Chauchat lassen Wunden aufbrechen wie Rosen: Gleich Asche im Feuer und Verreisung im Wasser.
Roswitha Siewert
